Haubentauchersafari

Kürzlich entdeckte ich  3 Haubentauchernester auf einem Fischteich. Eins ist sehr weit weg und fotografisch nicht relevant.

Die zwei anderen befinden sich in respektabler Fotonähe. So nah konnte ich das Brutverhalten noch nie beobachten. Den Nestbau konnte ich nicht verfolgen, ich  sah aber vor Wochen  die Balz aus der Ferne. Um so erfreuter war ich, als ich  2 Nester in Ufernähe entdeckte. Die Haubentaucher waren schon fleißig am Brüten. Da ich nicht genau wusste, wann sie anfingen zu brüten, ( mein Urlaub in Zingst lag dazwischen) fuhr ich öfters mal nachschauen.

Der Haubentaucher ( Podiceps cristatus) ist eine Vogelart aus der Familie der Lappentaucher (Podicipedidae). Der etwa stockentengroße Vogel ist der größte, häufigste und bekannteste Vertreter dieser Familie von Wasservögeln. Haubentaucher ( Podiceps cristatus) brüten von März bis Oktober. Die Gelegegröße liegt bei 3 – 4 weißlichen Eiern. Ich sah 5 Stück..leicht bräunlich. Die Brutdauer beträgt 25 – 31 Tage. Die Jungen sind Nestflüchter und können gleich schwimmen. Zum Schutz vor Feinden werden sie zunächst auf dem Rückengefieder der Eltern transportiert. Das sieht sehr niedlich aus!

Hier eine kleine Chronik meiner Beobachtungen bei den Haubentauchern ( Podiceps cristatus):

Ende Juni waren sie noch am Brüten.

Am 04.07.2016 saßen sie noch auf den beiden intakten Nestern.

Am 06.07. hat sich das Nest leider nach den vielen stürmischen Tagen gelöst. .. es trieb in Richtung „haltbares“ Nest

Am 07.07.2016 schaute ich wieder nach. Dort sah ich, das auf einem der Nester schon 4 Küken saßen.

Das andere Nest war leider verlassen….es trieb losgerissen zu nah am Nest mit den frisch geschlüpften Jungen. Die Altvögel kamen nicht heran..sie wurden sofort aus dem Revier vertrieben. Schade. Aber so ist die Natur. Am WE vor dem 04.07.2016 war ich auch dort..und es gab ein gewaltiges Unwetter. Da versuchten die Haubentaucher noch, ihr Nest zu stabilisieren..

Das letzte Küken schlüpfte am 08.07.2016. Es waren 5  bräunliche Eier vorhanden und genauso viel Küken konnte ich auch zählen. Zum Glück fuhr ich trotz schlechter Lichtverhältnisse am Morgen des 08.07.2016 dort hin. Sonst hätte ich die gesamte Kükenschar verpasst. In der Regel schlüpft pro Tag ein Küken. Die Altvögel kümmern sich rührend um den Nachwuchs. Am 08.07.2016 sah ich auch zum ersten Mal, wie die Kleinen auf dem Rücken der Eltern im Wasser schwammen und zum Teil abgeschüttelt wurden. Sie können als Nestflüchter gleich schwimmen. Gegen den Hunger gab es winzige Fische, die noch recht zögerlich gefressen werden. Ebenso wie eine Lurchlarve, wie es mir schien.

Und für den kleinen Hunger zwischendurch wurden sie einfach mit Daunenfedern aus dem Gefieder der Eltern gefüttert. Die Federn dienen dazu, damit die Gräten der Fische in den Mägen der Kleinen besser verdaulich sind.

Es ist einfach ein zu niedlicher Anblick. Wie kleine Sträflinge sehen die Jungen mit dem gestreiften Gefieder aus.  Und auch traurig, wenn man im Hintergrund das treibende Nest sieht, auf  dem noch 4 Eier liegen.

Die Altvögel vom Nest mit den Jungen schwammen am 07.07.2016 ab und zu zum verlassenen  Nest, wendeten die Eier, versuchten sie zu bebrüten und gaben sehr schnell wieder auf. Sie spürten wohl, das die Eier erkaltet und tot sind.  Das sieht für mich schon sehr sozial aus… nur nutzen tut es nichts. Die verwaisten Eltern balzen übrigens schon wieder fleißig herum. Mit Fischen und Nistmaterial wird geworben und gebalzt. Ein schöner Anblick, auch aus der Ferne.  Ich hoffe, sie haben mit der 2. Brut mehr Erfolg.

Die Natur kann so schön und auch grausam sein. Doch das ist eben die Natur. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass ich die Haubentaucher so schön beobachten konnte. Schlechtes Licht und starker Sturm machten das Fotografieren nicht einfach. Aber auch an dem Anblick kann man sich sehr erfreuen.

Am 07.07.2016 konnte ich leider unter einem Baum stehend mit dem 600 mm Objektiv auf dem Stativ nicht einfach so nach oben schwenken, als eine Rohrweihe versuchte, sich ein Küken zu rauben. Gefahr droht von überall… auch Hechte z.B. verschmähen solche kleinen Küken nicht. Die Rohrweihe hatte auf Grund der massiven Abwehr der Haubentaucher keine Chance. Auch konnte ich schon mal einen Graureiher als gierigen Nesträuber an der Elbe mit einem Küken im Schnabel  beobachten

Auch der 08.07.2016 war aufregend. Auf einmal kam ein Seeadler angeflogen… und der hatte auch nichts Gutes im Sinn! Davon konnte ich diesmal  Fotos aufnehmen, weil ich meine Kamera schnell genug vom Stativ bekam. Wenn man die Haubentaucher beobachtet, kann man erkennen, wenn sie auf einmal nach oben blicken… dann kommt da gleich etwas vorbei geflogen! So war es auch!

Der Seeadler drehte schnell ab… leider gab es auch noch Störungen durch einen kläffenden Hund in der Nähe Gassi  der brütenden Haubentaucher Gassi gehen durfte.

Doch in diesem  Fall kam der scheue Seeadler nicht zum Zuge… aber die Haubentaucher waren beunruhigt von dem Hund in Sichtweite und sattelten ihre Jungen und schwammen davon. Das Nest ist nun auch verlassen.

 

Nachtrag: Danke für den Tipp mit der tollen Wiese!!! Sehr viele Insekten, tolle Blumen und unzählige Bremsenstiche!

Nun die Fotos zu den Beobachtungen:

  • Ruth Namuth

    Sind das tolle Fotos! Alle Achtung! Ich freue mich für dich und für mich, dass du die Haubentaucher so „nah“ (mit 600 mm) beobachten konntest, denn mir ist es nicht gelungen. Das Nest war auf einer nicht zugänglichen Seite, und von weit übers Wasser hängenden Ästen versteckt. Nur einmal konnte ich im Nachhinein die Familie aus angenehmerer Entfernung beobachten. Doch sie schwimmen dann ganz schnell fort, wenn sie sich beobachtet fühlen.
    Schön, dass du die Haubentaucher über einen gewissen Zeitraum beim Nestbau, Brüten und der Aufzucht der Kleinen beobachten konntest.
    Die Kleinen – wie Clowns aussehend – auf dem Rücken der Eltern ist immer wieder herrlich anzusehen.
    Herzliche Grüße
    Ruth